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Die Ansteckblume am Revers: Boutonnière

Die An­steck­blume, Knopf­loch­blume oder auch Boutonnière im Knopf­loch des Herrn zeugt von der Stil­sicher­heit und dem masku­linen Selbst­bewusstsein ihres Trägers. Hier­bei geht es um Ele­ganz und persönliche Aus­strahlung. Die Möglich­keiten sind vielfältig und an be­rühmten Vor­bildern mangelt es nicht Unter ihnen der Duke of Windsor, Prince Charles, Cary Grant, Fred Astaire, Adolphe Menjou, Sean Connery - um nur einige illustre Träger schöner Knopflochblumen zu nennen.

Boutonnière - die seidene Knopflochblume oder Ansteckblume online kaufen.
Aus Seide und ohne Nadel: handgefertigte Boutonnière

Der Be­griff Ansteck­blume (manchmal auch „lapel pin“) deutet schon auf ein kleines, wichtiges De­tail hin: Alles was an­ge­steckt wird, macht ein Loch in das Re­vers. Sicher­heits­nadeln, metal­lene Pins, Klam­mern und Haken sol­len dafür sor­gen, dass die Bouton­nière ihre schmückende Auf­gabe er­füllt. Ge­rade jene oft von Flo­risten, Bastel­freunden und Braut­moden­geschäften an­ge­botenen klei­nen Blumen­sträuße für den Bräutigam be­anspruchen den guten An­zug und die Nerven am Tag der Hoch­zeit über die Maßen. Eine dünne Nadel, das Ge­wicht des Sträußchen und die Erd­anziehungs­kraft wir­ken auf er­schreckende und wenig über­raschende Art zu­sam­men. Egal ob Kunst­blume im Knopf­loch oder frisches Sträußchen (hierzu weiter unten ein paar Worte), alles er­scheint doch bißchen viel am schönsten Tag des Lebens. Hier ist weniger mehr und, mit Ver­laub, diese überladenen Sträußchen mit ge­legent­lichen Bändern, Per­len oder gar noch anderem Zier­rat ver­schnörkelt, wirken ein wenig pro­vinziell. Lassen Sie das! Ge­schicht­licher Hin­weis: Be­reits zur Zeit der Französischen Re­volution trugen adlige Herren auf dem Weg zum Schafott als Zei­chen ihrer Un­erschrocken­heit eine einzelne Bouton­nière im Knopf­loch, aber man sollte hierüber nicht den Kopf ver­lieren.

Von frischen Blumen im Knopfloch

Prince Philip mit weißer Nelke als Knopflochblume am Revers zur Hochzeit.
Prince Philip 1951 mit weißer Nelke.

Frische Blu­men im Knopf­loch - das ist eine schöne und indi­viduelle Sache. Zu be­achten gilt hier, dass die Blume im all­gemeinen Wasser be­nötigt. Man­che Knopf­loch­blumen halten eine Weile, so auch der Klas­siker, die rote oder weiße Nelke. Aber auch die beste Blume macht irgend­wann schlapp. Um die Le­bens­dauer im Knopf­loch zu ver­längern wer­den unter­schiedliche Knopf­loch­vasen an­ge­boten. Oft in Form von Röhrchen, die per Na­del oder Klam­mer be­festigt wer­den und den Stengel mit etwas Was­ser ver­sor­gen. Die meisten an­gebotenen Mo­delle sehen nicht schön aus, manche albern und die wenigsten sind wirk­lich prak­tisch. Auch kleine Glasröhrchen, die als Tisch­vasen zum Hin­legen an­geboten werden sind im Knopf­loch ge­tragen (das wird gelegentlich empfohlen) un­brauch­bar.

 

Be­denken Sie auch in je­dem Fall, dass eine natür­liche Blu­me aus der Natur nach oben in Richtung Sonne ge­wachsen ist, am Revers be­festigt aber das Ge­genüber frontal be­zaubern soll. Das Biegen der Reversblüte geht nicht immer gut; viele Knopf­loch­blumen ha­ben so­mit einen un­schönen Sitz und er­zielen längst nicht die be­absichtigte Wir­kung. Außerdem ist es rat­sam an der Rückseite des Revers einen Steg anzunähen, der den Stengel in Po­sition hält. Alter­native: seidene Revers­blumen, die täuschend echt wirken und sich pas­send biegen lassen.

Hercule Poirot und die silberne Knopflochvase

Serien­fans ist es auf­gefallen: Der belgische De­tektiv Hercule Poirot trägt in der be­ein­druckenden TV-Serie stets eine kleine sil­berne Vase am Re­vers. Darin ein sehr kleines frisches Blümchen. Das ist schön, ein Schmuck­stück und sehr aus­ge­fallen. Achtung: Es kommt eine Nadel zum Ein­satz. Diese silber­nen Knopf­lochvasen kom­men in ihrem Ur­sprung aus dem viktorianischen Eng­land und nen­nen sich „Tussie Mussie“. Googeln Sie das mal! Oft sind die Vasen ähnlich einem kleinen Eishörnchen ge­formt, selten so flach wie bei Poirot. Man drückt vor­sichtig mit einem Holz­stäbchen etwas feuchtes (Bastel-) Moos hinein und be­festigt die Blüte. Das sieht gut aus und wirkt lebens­verlängernd für die natürliche Bouton­nière. Die originale Knopf­loch­vase von David Suchet aka Hercule Poirot hat übrigens der neu­seeländische Schmuck­designer Gavan Riley speziell für die Serie her­ge­stellt. Sie heißt "Amphora".

Grundvoraussetzung: das Knopfloch

Das perfekte Knopfloch für die Boutonnière, Reversblume oder Ansteckblume für den Bräutigam zur Hochzeit
Milanese-Knopfloch (Bild per Klick vergrößerbar)

Viele Jacketts, die von der Stange ge­kauft sind, ha­ben ein ge­schlos­senes Knopf­loch. Im Prinzip eine Atrappe, ein ver­flixt zu­ge­nähtes Ding, das aber jede Änderungs­schneiderei für Sie öffnen wird. Die wohl schönste Alter­native: Las­sen Sie sich Ihre An­züge vom Schnei­der nähen. Ein schönes De­tail ist dann das so ge­nannte hand­genähte Milanese-Knopfloch, bei dem ein Fa­den mit ein­genäht wird, der so eine feine und sta­bilisierende Wulst rund ums Knopf­loch er­zeugt. Das ist dann deut­lich be­last­barer beim re­gelmäßigen Tra­gen von Knopf­loch­blumen und sieht enorm gut aus. Wie dann die Blume ins Knopf­loch kommt, alles über die Ge­schichte der Bouton­nière, berühmte Träger und stil­volle An­wen­dung der de­ko­rativen Blüten be­schreibt Umberto Angeloni (Brioni) in seinem Stan­dard­werk "The Boutonnière - Style in One's lapel". Unter­halt­sam, sach­kundig und amüsant ge­schrieben sowie reich­haltig illustriert.

Aus Seide: Boutonnières mit Stil

Häkelblume oder Seiden-Boutonnière?

Die weiße Nelke als Boutonnière, Knopflochblume getragen von Maximilian Mogg aus Berlin zum maßgeschneiderten Smoking aus der eigenen Kollektion
Maximilian Mogg 2019 mit weißer Nelke.

Hierzu fehlen uns die Worte: Es gibt sicher­lich ver­ein­zelt schöne, kultige Bouton­nières aus Omas Nadel, aber diese sind den eher rustikaleren An­lässen vor­be­halten. Kleine „Knödel“ aus Stoff zu einer Art Blüte ge­formt sind ver­zichtbar. Mo­delle aus Holz und Plastik kom­men ge­legent­lich vor. Das las­sen wir un­kom­mentiert. Ein veri­tabler Er­satz für die kurz­lebige Blume aus der Na­tur ist aller­dings die seidene Boutonnière. Da gibt es eine alte Tra­dition der Hand­fertigung in Sachsen: Seit 1834 wer­den hier täuschend echte Re­versblüten von Hand aus Seide ge­fertigt. Alle mit einer seiden­umwickelten Draht­schlaufe als Stengel. So ist ein natürlicher Halt im Knopf­loch gewähr­leistet. Mehr über die seidenen Bouton­nières aus sächsischer Tra­ditions­fertigung, ihre Ge­schichte und tra­ditionelle Her­stellungs­weise er­fahren Sie auf un­serer Über­sichts­seite. Hier stel­len wir Ihnen auch un­sere ste­tig wachsende Kol­lektion schöner Knopf­loch­blumen aus Seide vor. Hier im Bild gut zu sehen: die seidene weiße Nelke ge­tragen von Maximilian Mogg zum Smo­king. Zu schade, um allein zur Hoch­zeit oder bei einer so ge­nannten "be­son­deren Ge­legen­heit" ge­tragen zu wer­den. Die Bouton­nière sollte wie­der den sartorialen All­tag des Herrn er­obern und ver­schönern.

 

Berlin-Tipp: Maximilian Mogg - Maßkonfektion für Herren 

 

Blog-Tipp: Die Geschichte der Boutonnière (Lexikon 1905)

 

English: A flower for your lapel: The Boutonnière

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